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Weniger wäre hier nicht mehr gewesen.
Ein Versuch zu den Bildern des Thomas Kaemmerer.

 

Am Ende der langen Diskussion über die Aufhebung des Gegenständlichen in der Malerei gibt es den Realismus immer noch. Wie sich gezeigt hat, kann der Mensch auf gegeständliche Kunst nicht verzichten; vor allem Stilleben finden wieder mehr Interessenten. Von den alltäglichen Dingen, von den Vasen, Gläsern und Schachteln, geht offenbar immer noch die gleiche Faszination aus wie zur Zeit eines Stosskopfs oder Chardins. Die Malerei verändert die Gegenstände, und der Künstler paßt sie, manchmal fast unmerklich, dem Zeitgeschmack an. Das war immer schon so, und das kann sich nicht ändern. Auch wenn der zetgenössische Maler sich bemüht nur das zu malen, was er sieht, und meint, es in fotografischer Genauigkeit abzubilden, fließt trotzdem sein Selbst mit ins Bild. Es macht ihn unverwechselbar.

Thomas Kaemmerer ist dafür ein gutes Beispiel, die Bilder sind von akribischer Genauigkeit und fallen uns doch sofort als die seinen auf. Er malt die kompliziertesten Apparate, malt Tücher und Papier, malt spiegelnde Linsen, Porzellanstatuen und dunkel-blinkende Messinstrumente - malt alles und jedes. Thomas Kaemmerer schreckt vor nichts zurück, seine "Stilleben" sind Regale und Schränke, vollgeräumt mit gesammelten Sachen. Sie wuchern in irgendwelchen Berliner Wohnnungen die Wände hoch, und immer wieder kommt etwas dazu. Thomas Kaemmerer geht hin und malt das Ganze, ohne irgend etws auszulassen oder zu vergessen. Der Maler ist besessen von Realität und Masse.

Er ist das so sehr, dass sogar das Narrative der Realität ein wesentlicher Faktor seiner Kunst ist. Da sehen wir eine gläserne Schüssel, in der sich eine gestreifte Tischdecke so oft bricht, dass wir den Gegenstand kaum noch identifizieren können, und wir sehen eine polierte Silberkanne, in der sich das Atelier neunmal spiegelt, so dass der reflektierte Raum das Gefäß fast aufhebt.

Aber meistens verirren wir uns auf seinen Bilder, gehen unter zwischen tausend Objekten. Ist das Ganze so ein Wust von Dingen, um die Welt in Konfusion zu stürzen? Das sorgfältig Gemalte in Masse gezeigt, verwirrt uns die Sinne, läßt uns keine Zeit, beim Einzelnen zu verweilen. Die gehäufte Präzision ergibt in Summa ein größeres Chaos als gemalte Unordnung, totale Realität zeigt letztlich eine vergleichbare Entropie wie das Informel. Das erscheint uns zu paradox, wir meinen, es könne nicht sein, und doch führt der Maler es uns mit seinen Bildern vor Augen, er liefert den Beweis. Seine Werke werden uns zu Labyrinthen, wir fragen uns, was wir da sehen: Es ist eine Möglichkeit der Kunst, hier, als Verwirrung der Welt ausgeübt, eine sehr komplexe Kunst. Schwankend zwischen Realität und Chaos enstand eine eigen Ästhetik, es entstand ein Kunstwerk.


Prof. Klaus Fußmann

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